Keyhole & Pine Creek

Mit dem Verlassen des Yosemite National Park geht Teil 1 der May-Madness 2002 zu Ende, welcher durch Berge, Wasser, Schnee, und Kühle gekennzeichnet war. Massimo, Elke und ich sind jetzt auf dem Weg nach Utah, was einige Stunden Fahrerei bedeutet. Wir übernachten in einem Motel, was uns mal wieder die Freude einer warmen Dusche sowie (für die männlichen Teilnehmer) eines frisch rasierten Gesichts offenbart. Las Vegas lassen wir links liegen, um nicht der Versuchung zu verfallen, unsere Reisekasse beim Glücksspiel aufbessern zu wollen. In Utah machen wir dann zunächst Bekanntschaft mit dem "Department of Alcoholic Beverage Control", da man in den normalen Supermärkten keinen Wein kaufen kann, sondern in einen "Liquor Store" muss. Die spinnen, die Mormonen! Aber wie dem auch sei: Gut ausgerüstet (das Auto ist jetzt bis unters Dach mit Lebensmitteln beladen) fahren wir weiter zum Zion National Park, wo wir auf Matt und Yen treffen sollen (was den Frauenanteil in unserer Gruppe verdoppelt). Wir hinterlassen jedoch erstmal eine Nachricht am Campingplatz, reservieren einen Stellplatz für den nächsten Tag, und verbringen diese Nacht noch zu dritt.

 
Übernachtung am Virgin River
Da mal wieder Wochenende ist, sind alle offiziellen Campgrounds der Region belegt. Die USA haben allerdings Deutschland gegenüber den Vorteil, dass Zelten da prinzipiell erlaubt ist, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. So haben sich dann am Virgin River, südwestlich des Zion National Park, einige wilde Zeltplätze gebildet, wo Leute wie wir unterkommen. Zwar machen wir uns ein paar Sorgen wegen des tiefen Sandes (den Massimos Auto dann aber mühelos bewältigt), können aber umsonst übernachten und teilen unser Abendessen auch nur mit den zahlreich vorhandenen Ameisen. Zum Glück kommen wir im Dunkeln an, denn sonst hätten wir wohl lange vergeblich nach einer ameisenfreien Stelle für das Zelt gesucht.
Abseiltraining
Am nächsten Morgen treffen wir Matt und Yen am Eingang des Campgrounds, und nach dem Austausch von Erlebnissen der vergangenen Woche beziehen wir unser Quartier (sprich: wir bauen unsere Zelte auf). Da Massimo und Elke bisher keinerlei Canyoneering-Erfahrung haben, steht der Nachmittag ganz im Zeichen des Trainings: ruckzuck ist ein Seil über den Ast eines Baumes geworfen und sind die Sitzgurte angelegt, und schon hängen unsere beiden Canyon-Novizen am Seil und lernen die wichtigsten Handgriffe, die sie in den nächsten acht Tagen brauchen werden.
Steinformationen am Keyhole Canyon
Schon am selben Nachmittag geht es los zum Keyhole Canyon, einem kurzen, aber nassen Vergnügen. Vor die Freude hat die Natur aber die Arbeit gesetzt: Wir parken unsere Autos am unteren Ende des Canyons und müssen zunächst zum oberen Ende wandern. Auf dem Weg dorthin erwarten uns schon die ersten bizarren, von der Erosion geformten Sandsteingebilde, die im Süden Utahs beinahe allgegenwärtig sind.
Im oberen Teil des Keyhole Canyon
Der Keyhole Canyon besteht im wesentlichen aus zwei Teilen, die für einen Canyoneer interessant sind: Der Oberlauf enthält kleinere Wasserlöcher sowie etliche Passagen, an denen man abwärts klettern kann bzw. muss. Damit verspricht dieser Teil zwar nasse Füsse, aber man kommt ohne technisches Gerät aus. So kann man sich genußvoll durch einen engen Canyon bewegen, ohne die Angst eines möglichen Absturzes oder allzu tiefer wassergefüllter Potholes.
Matt im unteren Keyhole Canyon
Während unsere beiden Mädels sich zwischen dem oberen und unteren Keyhole Canyon für eine trockene Wanderung außenherum entscheiden, beginnt für Massimo, Matt und mich ein kaltes, nasses Abenteuer mit dem Abseilen in ein 20 Meter tiefes, dunkles Loch. Eine Hauptschwierigkeit in diesem Canyon besteht darin, sich in eiskaltem Wasser vom Seil zu lösen, da man ansonsten nicht aus dem Tümpel, in dem man gelandet ist, herauskommt. Diese Erfahrung darf ich als erster machen, während die anderen beiden von meiner Warnung profitieren können.
Der Ausgang des Keyhole Canyons
Der unterste Teil des Canyons ähnelt einer 60 Meter langen, wassergefüllten Röhre, durch die man sich nur schwimmend bewegen kann, und aufgrund der Wassertemperaturen macht sich mein Neopren-Shorty mal wieder bezahlt. Am Ende dieser Röhre wird das Wasser immer flacher, und am Ausgang, an dem schon Elke und Yen auf uns warten, ist es kaum noch mehr als knöcheltief.
(Foto © 2002 Elke Thomas)
Im Oberlauf des Pine Creek
Am nächsten Morgen geht es in einen zu dieser Jahreszeit überraschenderweise vollkommen trockenen Canyon, den der Pine Creek gegraben hat. Die Besonderheit hier ist, dass man sich in dunklen Löchern abseilt und über sich noch den Verkehrslärm aus dem Zion-Mt.Carmel-Straßentunnel hört. Auch ist der Pine Creek Canyon sehr leicht zugänglich: Man hat kaum den Parkplatz verlassen, und schon kann man sich eigentlich den Gurt anlegen und das Seil auspacken.
"The Cathedral" im Pine Creek Canyon
Im Verlauf des Canyons gibt es ein gutes Dutzend leichterer Abseilvorgänge zu bewältigen. Überall sind gute Anker vorhanden, und die Höhe der zu überwindenden Kanten beträgt oft nur wenige Meter. "The Cathedral" ist mit 18 Metern schon eine der anspruchsvolleren Seillängen, was allerdings Matt nicht davon abhalten kann, beim Abseilen kurz innezuhalten und für ein Foto zu posieren.
Der letzte Abseilvorgang
... im Pine Creek Canyon hat es dann allerdings in sich. Zum einen ist die Stelle, an der man sich ins Seil einklinkt, ziemlich exponiert und obendrein auch noch brüchiger Sandstein, zum anderen handelt es sich hier um 31 Meter "free hanging". Man kann also nicht, wie so oft, am Seil hängend rückwärts eine Wand hinuntergehen, sondern muss den gesamten Abseilvorgang mit den Händen kontrollieren. Dementsprechend erschöpft kommt Massimo unten an: er hat nicht einmal mehr die Kraft, seinen Körper am Ende des Seils in die Vertikale zu bringen, so dass er ohne meine Hilfe flach auf der Erde zu liegen käme. Yen (hier im Bild am Seil) bekommt das mit ihrer größeren Erfahrung schon besser hin.
Abkühlung nach getaner Arbeit
Im unteren Bereich, auf dem Weg zur Straße, erwarten den Wanderer dann keine technischen Schwierigkeiten mehr. Hier hat sich der Pine Creek in einen netten kleinen Bach verwandelt, der hin und wieder schon mal Wasserlöcher produziert, die groß genug sind, um darin ein erfrischendes Bad zu nehmen, wie uns Yen und Matt hier demonstrieren.

 
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